Die fehlende wissenschaftliche Absicherung der Wirkungsweise funktioneller Lebensmittel stellt eine ganz neue Herausforderung für die Ernährungsforschung dar, auf diesem Gebiet wissenschaftliche Grundlagen zu legen. So wäre vor allem eine Schwerpunktsetzung auf neuen Studien über die zugrunde liegenden Stoffwechselvorgänge sowie die Wirkungsmechanismen funktioneller Lebensmittel ein wichtiger Schritt, um mehr Transparenz in dieser Lebensmittelgruppe zu schaffen.
Zudem gibt es für funktionelle Ernährungsprodukte keine besondere Zulassungs- oder Anzeigepflicht, da es sich rechtlich gesehen um herkömmliche Lebensmittel handelt. Faktisch betrachtet, sind funktionelle Lebensmittel an der Schnittstelle zwischen Lebens- und Arzneimitteln angesiedelt, eine Zwitterposition, die ebenfalls rechtliche Probleme mit sich bringt. Ein besonderer Fall sind beispielsweise cholesterinsenkende Produkte mit Phytosterinen.
Hierbei handelt es sich um Lebensmittel, welche bis zum Jahre 1997 in der EU noch nicht in einem nennenswerten Umfang auf dem Markt waren. Aus diesem Grunde werden sie zu den so genannten „Novel Foods“ gezählt und fallen unter die europäische Novel-Foods-Verordnung. Dieses Reglement sieht vor, dass die entsprechenden Produkte trenge Zulassungsverfahren durchlaufen und besonders gekennzeichnet werden müssen. Außerhalb der Europäischen Union sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen ebenfalls uneinheitlich. Global gesehen besitzt lediglich Japan einheitliche gesetzliche Regelungen zu funktionellen Lebensmitteln und sichert sich somit bereits jetzt die Führungsposition im weltweiten Export der funktionellen Lebensmittel.
Verbrauchervertreter in Deutschland fordern für funktionelle Lebensmittel eine Einschränkung der Werbemöglichkeiten in dem Sinne, dass nur bestimmte, wissenschaftlich hinreichend belegte Aussagen zugelassen werden sollen. Hierfür erachten sie ein Melde-, Prüf- oder Genehmigungsverfahren funktioneller Lebensmittel für ebenso erforderlich, wie eine genaue Definition und Abgrenzung dieser Produkte. Der Marktanteil funktioneller Produkte sowohl in Europa als auch in Deutschland wird trotz beachtlicher Markterfolge letztendlich bei unter einem Prozent der Gesamtlebensmittelverkäufe eingeschätzt. So werden funktionelle Lebensmittel momentan eher als ein Element unter vielen eingeschätzt, welche zu einer Verbesserung des Ernährungs- und Gesundheitszustandes der Bevölkerung eingesetzt werden können.
Des Weiteren sind die Interessen der Lebensmittelindustrie nur bedingt mit den Anforderungen an die Förderung der öffentlichen Gesundheit vereinbar, was letztendlich auch die vergleichsweise hohen Preise für die funktionellen Lebensmittel zeigen. Im Sinne der Verbraucher bleibt daher zu hoffen, dass der Gesetzgeber endlich aktiv wird und einheitliche Richtlinien und Gesetze realisiert.
Freunde: Hamburg Tourism


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